Lieber Leo & Massimo, vielen herzlichen Dank für eure Zeit & Bemühungen und bereits herzliche Gratulation zur Übernahme & Weiterführung der Legacy eures Vaters und der Stärkung der einzigartigen Zürcher Uhrenmarke - Maurice de Mauriac. Wir freuen uns sehr, euch unseren Leser/innen als zweiten Gast vorstellen zu dürfen! 🤩



1. Euer Vater hinterlässt euch ein riesiges Vermächtnis. Als einer der Exoten in der Schweizer Uhrenindustrie ging er konsequent & polarisierend seinen Weg. Wie sehr inspirierte euch dies und ab wann packte euch die Leidenschaft der Uhren?
 
Wir arbeiteten schon als Kinder im Geschäft mit. An den Mittwoch Nachmittagen, wo andere Kids frei hatten, gingen wir ins Geschäft und brachten den Kunden Cafe oder machten die Post. Wir lernten sehr früh, was es braucht, um Erfolg zu haben…Kreativität und Fleiss, Fleiss und nochmals Fleiss. Es war eine besondere Qualität meines Vaters diese beiden Fähigkeiten auf so hohem Niveau zu vereinen. Unser Vater war immer schon unser Hero. Wie er auf Menschen zugehen und sie auch connecten konnte, das ist einzigartig. Auf LinkedIn hat er rund 15.000 Verbindungen. Sein Gedächtnis ist und bleibt ein Wunder, denn er kennt zu nahezu jedem weit mehr als nur den Namen. Wir wollten ihn mal bei „Wetten Das“ anmelden: Er hätte verschiedene Kunden von den 15.000 gezeigt bekommen und zu jedem den Namen, den Job und die gemeinsame Story erzählen müssen. Er hätte gewonnen. Unser Vater hätte vieles machen können. Wichtig waren ihm immer die Menschen und deren Geschichten.
 
Es hätten nicht unbedingt Uhren sein müssen. Am Anfang wollte er einen Pizza Kurier aufmachen. Das hätte bestimmt auch funktioniert. Heute ist es besser für unser Gewicht, dass er es nicht gemacht hat. Uhren sind es dann geworden und das war nicht nur Zufall, es war auch irgendwie eine Fügung. Uhren sind hoch emotionalisierte Schmuckstücke und jede hat ihre Geschichte. Wir bringen die Geschichten von Uhren und Menschen zusammen, damit diese sich finden und lieben lernen. Ein extrem kreativer Verkaufsprozess, der immer wieder anders ist und deshalb nie langweilig wird.

 
2. Erzählt uns doch ein bisschen mehr von euren Anfängen. Was war damals im jungen Alter euer Ziel und wo wolltet ihr persönlich einmal stehen
 
Leonard: Ich hätte als Teenager niemals gedacht, dass ich mit meinem grossen Bruder – der witziger Weise kleiner ist – das Geschäft von meiner Vater übernehme. Ich habe leidenschaftlich pubertiert - wollte immer genau das Gegenteil von dem machen, was mir gesagt wurde. Mit der Zeit wurde ich ruhiger und verstand viel besser, was unsere Familie wirklich ausmachte. Plötzlich wurde aus der Rebellion eine Liebe zur Schönheit von Familientradition. Mein Vater hat immer gesagt wir sind eine Bauernfamilie und wir schauen aufeinander, es gibt nichts wichtigeres als die Familie. Das konnte ich annehmen und setze es seit dem um. Dabei habe ich in meinem Bruder etwas, was mein Vater immer sehr vermisst hat – einen Businesspartner dem er zu 100% vertrauen kann. 
Das hört sich jetzt alles sehr folkloristisch und romantisch an. Das ist es im Kern auch, aber das ist nur die Basis, das Bein am Boden. Mit dem anderen Bein tanzen wir, zusammen und mit unseren Kunden und Freunden.
 
 
3. Was ist euer Kredo bei der täglichen Arbeit? Was ist euer Erfolgsrezept und was waren die täglichen Hürden, mit welchen ihr am Anfang der Übernahme zu kämpfen hattet?
 
Ich versuche es in kurz: „Mache aus dem was du hast das Beste und baue auf das auf was funktioniert“. Wie in den Anfängen der russischen Raumfahrt. Die Amerikaner entwickelten mit riesigem Budget einen Kugelschreiber, der auch in der Schwerelosigkeit schrieb. Die Russen nahmen Bleistifte mit. Sie hatten kein Budget, aber sie setzten auf archaische Kreativität und einen grossen Pragmatismus auf dem Weg zum Ziel. Wir haben Mini-Budgets gegenüber den Big Playern - aber schaffen es jedesmal etwas neues, etwas einzigartiges zu erschaffen. Wir ziehen viel Kraft und Dynamik daraus, dass wir klein und agil sind. Wir gehen viel schneller auf Trends ein, begründen diese sogar. Mein Vater hat die Natobänder aus dem Tiefschlaf zurückgeholt. Wir haben Uhren online Verkauft, da haben andere noch bei dem Wort Internet verlegen – oder überheblich – gelächelt. Wir haben Patente für unsere Uhrenkonstruktion und sehen Designelemente immer wieder bei anderen auftauchen. Wir nehmen es als Kompliment, stecken aber auch grenzen ab, wenn dies zu weit geht.
 
 
4. Insofern ihr zurückgehen könntet, würdet ihr alles nochmals gleich machen oder hättet ihr an gewissen Punkten anderweitige Entscheidungen getroffen?
 
Wir würden alles genau so wieder machen, aber ganz anders. Denn jede Zeit hat andere regeln und andere Möglichkeiten. Die würden wir heute nutzen – ganz pragmatisch.
 
 
5. Ihr könnt täglich eure Leidenschaft leben und einzigartige Uhren & Kollaborationen auf den Markt bringen. Beschreibt das Gefühl und was waren die Highlights bisher?
 
Es ist wirklich unglaublich, wen ich alles schon treffen und mit wem wir schon alles zusammenarbeiten durften im jungen Alter von nur 27 Jahren. Wir haben unzählige Highlights erleben dürfen. Ich werde nie vergessen, wie ich die RUN DMC Uhr an Daryl (KingDMC) mit meinem Vater nach NYC persönlich ausgeliefert habe und dann mit ihm und seinem Sohn in einem schwarzen, riesigen Cadillac durch NYC gedüst bin, wir Chickenwings im Drivethrough geholt und im Auto gegessen haben. Mein Vater meinte „Wir sind jetzt im Bauch des HipHops!“ Er hatte recht.
 
 
6. Was waren bis anhin die grössten Highlights & Überraschungen und welche Geschehnisse oder Meilensteine hättet ihr soweit selbst nicht erwartet?
 
Die verschieden Kollaborationen mit Berühmtheiten wie Stan Smith, RUN DMC oder auch die Space Il Geschichte. Bei jeder Collaboration lernt man dazu und hat Einblicke, die man sonst nie hätte. Auch die Rallymaster (Collaboration mit dem Racquet Magazine) wo wir innerhalb von 24 Stunden SOLD OUT waren. Auch das mein Hero, als Juve Fan seit 20 Jahren, Stephan Lichtsteiner mal ein Praktikum bei uns machte - hätte ich nie gedacht. Diesen und jedem, den ich jetzt nicht nenne, danke ich täglich. Diese Menschen und ihre Geschichten – so auch unsere gemeinsamen Geschichten – machen mich als Unternehmer und Persönlichkeit ebenfalls aus.

 
7. Was ist eure Alltime-Favourite Uhr und welche Marken bewundert ihr abseits von MdM?
 
Eine Uhr soll dich beruhigen, wenn Du auf die Zeit schaust, deswegen ist weniger mehr. Mein Alltime-Favourite ist die Zurich Chrono Modern und die L2 - eine von beiden trage ich täglich. Bewundernswert finden wir alle eigenständigen Marken, die neben den grossen Gruppen selbstständig mutig eigene Wege gehen, wie wir es auch tun.

 
8. Was sind eure Ziele im internationalen oder nationalen Uhrenmarkt? Was wollt ihr unbedingt einmal erreichen und wo wollt ihr mit der Marke MdM noch hin?
 
Mein Vater hat den Grundbaustein gelegt und wir schauen jetzt ob es ein Einfamilienhaus oder ein Wolkenkratzer wird :) Das wichtigste ist und bleibt die Familie. Nächstes Jahr steigt meine Schwester in die Firma ein, was mich natürlich sehr freut. Sie wird die MdM Garage in Züri West prägen. Einen MdM Shop in unserem Atelier Stil könnte ich mir aber in jeder Metropole auf der Welt vorstellen - die nächsten wären sicherlich in New York, London, Paris - lets see.

 
9. Und zum Abschluss natürlich noch eine Frage im Bezug auf Läight. Wie kamt ihr auf uns und was überzeugte euch an der Zusammenarbeit mit Läight?
 
Wir haben Kevin durch Sladjan (den Rennfahrer von der Dakar Classic, welche wir mitgesponsort haben) kennen und lieben gelernt. Farben und Licht sind in unserem Business sehr wichtig. Deswegen sind Läight und Kevin so cool für uns. Man kann unkompliziert, komplizierte Sachen machen. Läight ist wie wir, sympatisch, schnell & agil. Auf eine gute weitere ZEIT zusammen. 
 

 

Gerne möchten wir uns nochmals von tiefstem Herzen bedanken, euch als zweiten Interview-Partner präsentieren zu dürfen und wünschen euch weiterhin viel Erfolg im Unternehmen, sowie auch Privat und ganz viele weitere Highläights!

Täusend Dank auch an alle Leser,

Kevin Oberholzer
Founder

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